Reisebericht von Oldenburg nach Laboe

Reisebericht von Silke, Rainer und Amelie Zimmermann auf ihrer Bootsfahrt mit der Ilse von Oldenburg nach Laboe und zurück im Sommer 2012

Hier geht’s zum Reisebericht von Amelie

Oldenburg – Elsfleth

reise2012_html_46cd7b4aIlse wartet schon seit Tagen voll bepackt am Anleger. Nun geht es endlich los. Erst einmal, wie die Jahre zuvor auch, nach Otterndorf. Dieses Jahr haben wir uns jedoch eine völlig andere Streckenführung überlegt. Nicht wie sonst Bremerhaven, Bederkesa, Otterndorf, nein, Elsfleth, Bederkesa und dann Otterndorf soll es diesmal sein. Ganz gemütlich tuckern wir zur besten Kaffeezeit los. Den Becher kaum ausgetrunken sind wir auch schon in Elsfleth. Dort liegt gerade auch die Gorch Fock.

Kurzer Landgang, dann früh ins Bett, denn wir wollen morgen früh los.

Elsfleth – Bad Bederkesa

8:00 Uhr ist früh genug. Wir frühstücken schnell, und noch schläfrig lösen wir die Leinen inreise2012_html_681b3904 ungünstiger Reihenfolge. Das letzte Tau liegt nach achtern und das Boot macht einen Satz auf die Hunte. Der schnelle Wurf einer Notleine zum zufällig vorbeilaufenden Hafenmeister rettet uns aus dieser Notlage. Wir werden zukünftig wachsamer sein, rufen wir ihm dankend nach. Es geht im kräftigen Ebbstrom Richtung Bremerhaven.
In der Geesteschleuse stellen wir fest, dass der Sitz der am Bug verstauten Fahrradräder optimiert werden muss. Als Fender taugen sie nun doch nicht. Gegen 16 Uhr treffen wir in unserem Lieblingshafen Bederkesa ein. Amelie springt, kaum angekommen, in den Kanal. Silke geht in den Ort und kauft sich neue Bücher. Rainer optimiert den Sitz der Räder.
Abends wird ein Hundesicherheitstraining durchgeführt. Schwimmweste an, Luna ab in den Kanal geworfen und mit dem Bootshaken wieder herausgefischt. Beruhigt stellen wir fest, dass das Tier so etwas mitmacht. Zur Belohnung gibt es ein Leckerli.

Bad Bederkesa – Otterndorf

Mit dem Klang des Zweizylinders geht es morgens weiter. Amelie verzieht sich mit dem Kommentar: „Hier sieht es ja aus wie an der Hunte, nur ohne Schafe“, in die Kajüte und liest.
Silke löst Rätsel und Rainer legt eine Elvis-CD ein. Mit dem Strohhut auf dem Kopf sieht er aus wie ein Bauer auf seinem Trecker.
Wie üblich überholen uns am Flussufer winkend Fußgänger und Radfahrer. Wir erreichen bei besten Wetter unser erstes Etappenziel Otterndorf.

Otterndorf

reise2012_html_43fa89e4Bei schönstem Sommerwetter machen wir erst einmal drei Tage Pause. Es geht zum Schwimmen an den Elbestrand, und abends ins Steakhaus oder grillen. Die Wetterlage auf der Elbe ist gut und der Buchhändler kann uns den Elbeatlas liefern. Ein sehr zu empfehlendes Kartenwerk. Nach Gesprächen mit Hafenmeister und Bootsnachbarn beschließen wir Richtung Stade zum Elbe-Lübeck Kanal zu fahren.

Otterndorf-Stade oder Kursänderung nach Brunsbüttel-Dückerswisch

Mit auflaufendem Wasser geht es am frühen Nachmittag auf die Elbe Richtung Lübeck. Auf Höhe Osteriff, gegenüber Einmündung Nord-Osteekanal, wandert Rainers Blick sehnsüchtig nach Backbord. Die Sicht ist gut und es weht kein Lüftchen. Sollte eine Überfahrt nach Brunsbüttel möglich sein? Die beiden Jahre zuvor war wegen schlechten Wetters an eine Elbquerung nicht zu denken.
Sofort wird im Logbuch der neue Kurs vermerkt. Das Marzipan muss bis zum Winter warten.

Schleuse Brunsbüttel

reise2012_html_3480e77Vor der Sportreede treffen wir Martin aus Bremen wieder. Er hatte uns in Otterndorf angesprochen, ob wir Richtung Kiel fahren, er habe einen anfälligen Motor und suche jemand als Schlepphilfe durch den NOK. Auf der Ostsee könne er ja segeln. Wir signalisieren erst einmal das Schleusen abzuwarten.
Wir wechseln auf die Kanal-Frequenz und lauschen dem Funk Wir warten auf das weiße unterbrochene Signal. Am Mast werden allerlei Farbsignale gezeigt. Nach einer halben Stunde macht sich Unsicherheit breit, im Buch steht deutlich weiß unterbrochen. Es treffen immer mehr Boote ein. Der Wartebereich wird allmählich voll und voller. Wir stellen fest, dass die anderen mindestens so nervös sind wie wir. Ein Holländer fährt bei weiß unterbrochen und grün in den Einfahrtbereich der Schleuse ein. Von außen sieht man nur die Mastspitze. In Höhe Schleuse wird über ein Megaphon mit scheinbar 100.000 Watt Alarm ausgelöst und er für sein Manöver barsch zurückgewiesen. Der Sprecher lässt nicht nach und nutzt auch den Funk um ihn als Deppen darzustellen.
Das Boot verlässt die Schleuse und gesellt sich wieder zu uns.

Kurz danach kommt weiß unterbrochen. Es geht in in die Schleuse und wir machen an den Schwimmstegen fest. Das eigentliche Schleuse geht sehr schnell. Es ist Hochwasser.

reise2012_html_m1066e830Im Vorhafen von Brunsbüttel trennen wir uns von Martin, da er zügig weiter will. Wir fahren bis Dückerswisch. Dort ankommend sehen wir nur Dalbenliegeplätze in der Mitte der Bucht. Diese sind alle belegt. Wir ankern daneben und stehen vor einem Problem. Unser Hund muss Gassi. Amelie nimmt kurzentschlossen eine Luftmatratze, schnappt sich den Hund und paddelt an Land. Sie geht spazieren. Auf dem Rückweg schnappt sich Luna die Matratze und Amelie muss schwimmen.

Ein sehr schöner Abend bricht an. Auf allen Booten brennt Kerzenlicht und man hört leise Gitarrenmusik. Die Nacht ist leicht unruhig, da Rainer einige Male den Sitz des Ankers und das Ankerlicht kontrolliert.

Dückerwisch – Rendsburg

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Rendsburg. Wie auf einer Perlenkette reiht sich Boot an Boot und wir staunen bei manchen großen Containerschiff das vorbeifährt. Das Lauschen des Kanalfunks kündigt aber schon Stunden vorher die Begebung an und man hat ausreichend Zeit sich darauf vorzubereiten.

Bei Rendsburg fahren wir in die Eider und legen im ortsansässigen Ruderverein an. Uns wird klar, dass die Ostsee-Häfen scheinbar alle nur Boxenplätze haben. Mit Glück finden wir einen einzigen Platz am Steg. Das Anlegen in der Box bleibt uns noch ein wenig erspart.
Beim Landgang und einem kühlen Bier im Restaurant auf der Marina lassen sich die hochsommerlichen Temperaturen des Tages noch genießen.

Rendsburg – Laboe

Relativ spät legen wir gegen 11 Uhr ab und fahren Richtung Kiel weiter. Vor der Schleuse Holtenau gehen wir in den Wartebereich und hören über Funk, dass die Sportbootschleuse ausgefallen ist. Es geht in die große Schleuse mit den richtigen Pötten.

reise2012_html_m14726918Wir warten, bis wir über Funk aufgefordert werden einzufahren. Wir sind aufgeregt und die Anweisung an alle Sportboote „Zügig, zügig“, „Schneller, schneller“, machen uns nur unnötig nervös. Panikartig rauschen die Skipper in die Schleuse. Auf der rechte Seite liegen zwei Containerschiffe. Links ein Schlepper. Ein Boot nach dem anderen macht hinter dem Schlepper an Backbord fest und lässt nur eine handbreit Abstand zum Vormann. Wir rechnen aus, dass wir auf dem Drempel liegen würden. Ein Matrose vom Schlepper winkt uns zu, vor ihm sei ausreichend Platz.

Wir ziehen an dem Pulk der Segler vorbei und teilen uns den gesamten vorderen Bereich auf ca. 200 m mit drei Booten.

reise2012_html_m77213850Wir schleusen und erreichen die Kieler Förde. ILSE verliert vor Freude einen Fender, den ein nachfolgende Skipper auffischt und uns zuwirft. Die Sonne strahlt, das Wasser ist blau und glasklar, die Karibik kann nicht schöner sein.

Wir nehmen Kurs auf Laboe. Dort laufen wir gegen 17 Uhr ein und müssen in einer Box festmachen. Das Manöver ist nicht gerade einfach aber mit vereinten Kräften klappt es dann und wir haben Feierabend. Amelie nimmt ein ausgiebiges Bad in der Ostsee.

Laboe

reise2012_html_50be829eDie nächsten Tage gehen wir an den Strand, erkunden mit den Fahrrädern die Umgebung und erholen uns. Wir fahren mit dem Bus nach Kiel. Wir hätten auch ILSE oder die Fähre nehmen können, aber wir wollten mal wieder Land sehen.

Das Wetter schlägt um. Wir haben zwei verregneten Tage. Zum Glück findet ein Aktionstag der Seenotretter im Hafen statt. Amelie und Rainer dürfen mit einem Einsatzboot mitfahren und haben einen Heidenspaß. Die Mahlzeiten bestehen aus Backfisch, Backfisch und weil er so lecker ist zum Abschluss nochmal Backfisch.reise2012_html_72eee865

Leider wird es Zeit Heimzufahren.

Laboe – Giselau Schleuse

reise2012_html_60a67225Wir fahren morgens von Laboe zum NOK. Als „alte Hasen“ ist das Schleusen in Holtenau mittlerweile kein Problem. Blutdruck und Puls bleiben unten.

reise2012_html_m410dd779Jedoch geraten wir nach dem Schleusen in ein kurzes Gewitter. Bis Giselau beruhigt sich das Wetter und wir fahren in den Eiderarm und finden einen schönen Platz an der Steganlage im Schleusenbereich. Wir machen einen Spaziergang auf einer einsamen Landstraße in Richtung Oldenbüttel und wundern uns über den regen Autoverkehr vom Nichts ins Nichts. Wir treffen auf eine ältere Dame. Sie erzählt uns, dass im nahegelegen Wacken ein Heavymetall-Festival sei. Bei Wind aus Südwest könne man es gut hören. Wir hoffen auf einen anderen Wind. Wir nehmen die Kanalfähre und fahren rüber nach Oldenbüttel. Im Ort essen wir in einem Restaurant Pommes mit Mayo und Ketchup. Im Hintergrund hören wir die Musik aus Wacken.

Giselau Schleuse – Otterndorf

reise2012_html_m1c1a9262Frisch erholt geht es morgens los. Die Luft wird drückender und wir erreichen Brunsbüttel bei kurzem aber heftigen Gewitter. Wir laufen in den Nothafen ein und warten ab. Der Himmel klart auf. Nach einer Stunde hat sich das Wetter wieder beruhigt.

Kurze Diskussion, sollen wir losfahren oder warten? Wir entschließen uns zur Weiterfahrt. Nach dem Schleusen teilen sich die Boote auf und wir fahren in einem Verband Richtung Heimat. Auf halber Höhe mitten auf der Elbe bereuen wir den Entschluß weitergefahren zu sein.

Aus dem nichts kommt ein Gewitter auf uns zugerast.

Amelie und Luna tragen ohnehin ihre Schwimmwesten. Die Tatsache, dass Silke und Rainer ihre griffbereiten Westen anziehen, lässt bei Amelie leichte Panik aufkommen. Sie hat gerade noch Zeit ihren Teddy aus der Kajüte zu holen und setzt sich still auf die Rückbank.

Vor uns türmen sich drei Wellen auf. Die Sicht ist gleich null. Die Scheibenwischer können die Regenmengen nicht bewältigen. Rainer macht die Persening leicht auf um wenigstens etwas Sicht zu haben. Die nächsten Minuten sind wie Stunden. Amelie wird angewiesen Ausschau nach großen Pötten zu halten. Silke versucht angestrengt die Boote vor uns nicht aus den Augen zu verlieren, und Rainer ist mit Kurshalten und der Verantwortung uns heile aus dieser Situation zu bringen, vollends beschäftigt.
Minuten vergehen wie Stunden.

Gott sei Dank klart sich der Himmel auf, kurz bevor wir in den Priggenweg nach Otterndorf einlaufen.

Das erste was wir im Hafen sehen ist den Hafenmeister. Fluchend schippt er das Wasser aus seinem Boot. Wir legen an und bedanken uns bei Ilse. Wir beseitigen das Gröbste und gehen schnurstracks in das nahe gelegene Restaurant. Amelie bekommt eine Malzbier. Silke und Rainer einen Korn und noch einen extra.

Otterndorf

reise2012_html_6511c9f0Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder prächtig. Wir verfallen zurück in einem angenehmen Urlaubstrott. Fahrradtouren, Spaziergänge, Schwimmen, Essen und Faulenzen.

Wir machen die interessante Bekanntschaft mit einem alten Schweden, der auf dem Pilgerweg nach Spanien ist. Ganz alleine mit einem Kajak.

Otterndorf – Bad Bederkesa

reise2012_html_43530e83Entspannt treten wir die Heimfahrt an. In Bederkesa reicht es noch für zwei Tage Aufenthalt und wir machen mit den Rädern Ausflugsfahrten und besuchen den Deutschen Olymp.

Bad Bederkesa – Bremerhaven

Auf dem Rückweg üben wir in der Selbstbedienungsschleuse Lintig diverse Anlegemanöver bis zur Perfektion. Wir erreichen Bremerhaven. Amelie und Rainer besichtigen das U-Boot, Silke geht im Columbuscenter shoppen.

Bremerhaven – Oldenburg

Bei schönem Wetter geht es in einem Rutsch nach Hause. Wir erreichen nach über 500 KM Oldenburg.