Isis, Proteus und Sealord auf Ostfriesland Tour

Die Idee entstand am Stammtisch beim Bier. Wir redeten über vergangenene Urlaubtörns. Dabei viel uns auf, wir waren schon auf fast allen Wasserstraßen in Europa unterwegs. Der einzige weiße Fleck auf unserer Karte war Ostfriesland. Also beschlossen wir, auf nach Ostfriesland.

Das grobe Ziel war Timmel mit seinen Kanälen. Von anfänglich mehreren

Interessenten blieben am Ende nur Fredi, Hans Werner und ich, sowie natürlich unsere Frauen Anke und Marlies. Start war Montag der 11.Mai.

Da Himmelfahrt das Skipper Treffen am Elisabethfehnkanal war, war das auch unser erstes Ziel. Ab jetzt versuche ich unseren Törn chronologisch zu beschreiben.

Montag 11.05.

Ablegen im OWV. Das schleusen klappte nach Anruf bei der Schleuse sofort und die Fahrt ging bei strahlenden Sonnenschein über den Küstenkanal nach Kamperfehn. Bei dem schönen Wetter konnte man sogar dem sonst eher Langweiligen Küstenkanal schöne Seiten abgewinnen.

Da wir zum Skippertreffen wollten entfiel in Kamperfehn beim Bootsclub sogar das Liegegeld.

Dienstag 12.05

Um 7:45 Uhr ging es zur ersten Brücke in Kamperfehn,und dann im Konvoi nach Dreibrücken,Vor der Schleuse waren Liegeplätze mit Stromanschlüssen vorbereitet. Da wir als eine der ersten ankamen konnten wir uns sogar den Liegeplatz aussuchen.

Mittwoch 13.05.

Morgens gab es eine kurze OWV Skipperbesprechung.

Wir beschlossen den Bordgrill auszupacken und Mittags gemeinschaftlich zu Grillen.

Im Laufe des Tages wurde es dann richtig voll im Liegebereich. Es setzte auch ein reger Autoverkehr zum Aufbau des Flohmarktes ein.

Donnerstag 14.05.

Ab 8 Uhr war längs des Kanals der Flohmarkt in vollem Gange. Nach dem Frühstück haben wir uns dem allgemeinen Rummel angeschlossen und sind auch auf Schnäppchenjagd gegangen. Wir haben

allerdings feststellen müssen,das der überwiegende Teil der Flohmarkthändler gewerblich war, also nichts mit Schnäppchen. Am Nachmittag kamen Gitta und Otto, die mit Ihrem Boot in Kamperfehn waren auf einen Kurzbesuch vorbei.

Freitag 15.05.

Am Morgen war von dem großen Rummel am Vortag schon nichts mehr zusehen. Der Uferstreifen war sauber aufgeräumt. Ab 10 Uhr

war im Moor und Fehnmuseum der historische Backofen in Betrieb. Bei dem Geruch nach frisch gebackenem Brot konnten wir nicht widerstehen

und haben uns mit Brot und Rosinen Stuten eingedeckt. Mit der Mittagsschleusung kam noch ein weiteres OWV Boot, Werner Henkel mit Frau, zum Skippertreffen. Um 13 Uhr stand eine Planwagenfahrt zur Johanniter Kapelle in Bokelesch auf dem Programm, bzw. konnte man an einer Führung durch das Moor und Fehnmuseum teilnehmen. Wir hatten die Kapelle noch nicht gesehen und fuhren deshalb mit dem Planwagen entlang des Kanals zur Kapelle aus dem Jahre 1200, dem Rest einer ehemaligen großen Klosteranlage. Ab 17 Uhr wurde am Teilnehmerzelt

Bier ausgeschenkt und Bratwurst gegrillt. Gagen 18 Uhr wurde vor dem Zelt das Lagerfeuer angezündet und es gab Live Musik zum mitsingen.

Der Abend endete mit einem großen Feuerwerk.

Samstag 16.05.

Um 8 Uhr fuhren wir mit der ersten Schleusung zur Schleuse Osterhausen. Was wir nicht wusten war, das gleichzeitig eine Schleusung in Richtung Kamperfehn durchgeführt wurde die bis zm Küstenkanal weitergeführt wurde. Für uns geriet unser schön ausgedachter Plan für die weiterfahrt natürlich Total Durcheinander. Um 13:10 Uhr

ging es dann endlich weiter. Wir verpassten natürlich die Brückenöffnung in Potshausen. Wir beschlossen aber trotzdem weiter in Richtung Oldersum und Emden zufahren.

Um 17:30 erreichten wir die Schleuse Oldersum. Durch die Zeitverzögerungen war die Tide schon soweit fortgeschritten, das die

Steganlage im Vorhafen schon halb Trockengefallen war. Also ging es Weiter nach Emden. In der Zwischenzeit blies der Wind aus Nordwest

mit 4-5 Windstärken gegen die ablaufende Tide. Die Weiterfahrt war dann nicht mehr sehr angenehm. Gegen 18:30 Uhr haben wir dann beim Emdener Yachtclub im Vorhafen festgemacht und waren ziemlich bedient.

Sonntag 17.05.

Nach Anruf bei der Seeschleuse haben wir einen Termin für

8 Uhr bekommen. Es klappte auch alles und wir fuhren sofort durch den Hafen zur Eisenbahnbrücke die um 8:55 Uhr lt. Plan öffnen sollte.

Die Betonung liegt auf sollte. Nach einem Anruf wurde mir erklärt das die Zeiten geändert wurden und die nächste Brückenöffnung um 9:55 Uhr stattfindet. Also wieder festmachen und warten. Wir konnten dann endlich durchfahren und im Falderndelft festmachen. Am Nachmittag wurde ein Stadtbummel durch Emden gemacht.

Montag 18.05.

Ablegen im Falderndelft war um 10 Uhr und durch die Brücken zur Kesselschleuse. Es klappte alles Problemlos. Über die Verbindungsschleuse ging es dann in das Fehntjer Tief. Plötzlich ein gestikulierender Mann am Ufer der etwas von Höhe zu uns rüber zeigte.

Wir haben Ihn etwas Verständnislos angesehen. Die Brücken haben doch alle 3m Durchfahrtshöhe bzw. sind Klappbrücken? Nach ungefähr 1 km wussten wir was er meinte. Über den Kanal war für eine Baustelle eine

Behelfsbrücke mit ungefähr 1,5 m Durchfahrtshöhe gelegt worden.

Das so etwas ohne Hinweiszeichen gemacht wird ist einfach eine Schweinerei, aber mit der Sportschifffahrt kann man so etwas ja machen.

Also auf stoppen und zurück. Plötzlich fuhr Hans Werner auf dem engen Kanal nur noch Kreise. Also erst mal wieder Stop. Die Steuerung auf der Sealord war ausgefallen. Fredi nahm das Boot längseits und es ging zur nächtsten Anlegemöglichkeit beim Bootsclub Wiking in Borsum zur Schadensfeststellung. Der Grund für die Kreisfahrt war der Bruch einer Kunststoffklemme am Ruder.Nachdem wir unsere Werkzeugkisten durchforstet hatten, führten wir eine Notreparatur durch. Die hält vermutlich länger als das Original. Da wir unser Ziel Timmel heute sowieso nicht mehr erreichen konnten und es zusätzlich auch noch zu regnen begann beschlossen wir beim Bootsclug Wiking zu bleiben.

Dienstag 19.05.

Um 9:45 war Ablegen zur Fehnfahrt nach Timmel. Das Wetter wa ziemlich durchwachsen, mal schien die Sonne, dann fielen wieder Schauerboen ein. Es regnete stellenweise so heftig das man meinte die Welt geht unter. Bis zur Petkummer Klappe, eine Brücke mit Selbstbedienung, ging alles ohne Probleme. Im Fehntjer Tief, lt.Karte Wassertiefe 1,2 m dachte ich mehrmals ans umkehren. Unsere 3 Boote, größter Tiefgang

1,05 m, haben eine neue Fahrrinne nach Timmel gezogen. Nach 5 Stunden

Fahrt durch die flache Ostfriesische Landschaft, in der es außer grünen Weiden, Kühen und ab und zu einen Bauernhof nichts zu sehen gab, machten wir in Timmel beim Bootsclub fest. Zum entspannen gönnten sich die Skipper erst mal ein Anlegebier.

Mittwoch 20.05.

Nach dem Frühstück haben wir mit den Bordfahrrädern Timmel und die Umgebung erkundet.Es ist ein schönes Dorf mit alten Fachwerkhäusern. In der Umgebung gab es auch viel zusehen, aber leider kam der Wind immer von vorn, so das unser Erkundungsdrang Grenzen hatte. Mittags im Hafen wurde wieder der Grill angezündet und es wurde gegrillt. Noch während des grillens wurde es Dunkel am Himmel und es schüttete wie aus Kübeln. Das Grillen fand ein schnelles Ende und wir flüchteten aufs Boot.

Donnerstag 21.05.

Ablegen in Timmel um 9:15 Uhr. Zur Abwechslung schien sogar die Sonne. Es ging über das Fehntjer Tief zurück nach Emden.

Gefühlt war es noch schlechter als auf dem Hinweg. Wir konnten im Tief Fahren wo wir wollten, es ging immer nur durch weichen Schlick. Wir waren froh als wir nach fast 5 Stunden das Petkummer Sieltief erreicht hatten. Hier war das Fahrwasser tiefer und wir konnten aufatmen. Über den Ems Seitenkanal und dem Verbindungskanal waren wir dann schnell in Borsum beimWassersportverein Wiking. Nach dem Anlegen war die einhellige Meinung, wir waren zwar jetzt in Timmel, aber wir werden da nie wieder mit dem Boot hinfahren.

Freitag 22.05.

Mit Sonnenschein am frühen Morgen legten wir in Borsum ab. Die Verbindungsschleuse wurde nach einem kurzen Anruf geöffnet.

Es ging jetzt über den Ems Jade Kanal Richtung Aurich. Die ersten Brücken wurden noch von der Kesselschleuse aus fernbedient. Bei den anderen Brücken wurden wir Telefonisch weitergemeldet. An der Schleuse Rahe

wurden wir noch vor der Mittagspause geschleust. Da die Brücke Haxtumer Feld auch Mittagspause hatte blieben wir nach Rücksprache mit dem Schleusenwärter in der Schleuse liegen. Gegen 14 Uhr erreichten wir Aurich und machten im Alten Hafen fest. Da wir Strom, Wasser und Duschen in 20 m Entfernung hatten , beschlossen wir über Pfingsten in Aurich zu bleiben und uns von den Strapazen der Fehnfahrt zuerholen.

Samstag 23.05.

Das Wetter spielte mit und in Aurich war richtig was los. Live Musik in der Innenstadt, Spargel und Weinfest boten auch etwas Kulinarisches. Wer es deftiger wollte für den gab es auch etwas in der Markthalle.

Sonntag 24.05.

Heute war faulenzen angesagt. Die Sonne schien endlich mal länger, aber der Wind war nach wie vor kalt.

Montag 25.05.

Pfingstmontag ist in Niedersachsen Mühlentag. Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir mit dem Rad zur Besichtigung der Stiftsmühle. Danach noch einmal in die Stadt zum Essen. An Bord zurück kam der obligatorische Regenguss der bis in den späten Abend anhielt.

Dienstag 26.05.

Um alle Brücken und Schleusen noch vor der Mittagspause passieren zu können ging es um 8 Uhr los. Wir wren jetzt auf Heimatkurs zum Nordgeorgsfehnkanal. Da wir angemeldet waren passierten wir die Brücken und Schleusen im Ems Jade Kanal Problemlos. Auch an der Schleuse Nordgeorgsfehnkanal VII wurden wir schon erwartet. Um 13:30 machten wir in Wiesmoor fest.

Mittwoch 27.05.

Der erste Brückentermin war um 8 Uhr vereinbart.

Es ging durch die Weitermeldung glatt durch alle Brücken und Schleusen.An der Schleuse III gab es dann doch noch ein kleines Problem, wir setzten kurz auf und zogen dann etwas metallisch klapperndes hinter uns her. Das Problem löste sich aber von allein. An der nächsten Schleuse erzählte Fredi, das es Ihm genauso gegangen ist. Um 12 Uhr endete die Fahrt für diesen Tag an der Schleuse I. Es war kein Schleusenwärter zusehen. Nach einem Telefonat mit der Leitstelle kam dann ein anderer Mitarbeiter. Das Wasser war dann aber schon so weit abgelaufen das eine Weiterfahrt in Richtung Jümme nicht mehr in Frage kam. Mit dem späten Abendhochwasser wollten wir nicht mehr schleusen. Wir blieben in der Schleuse liegen um mit dem Vormittagshochwasser weiter zufahren.

Donnerstag 28.05.

Es ist bekannt das es einen Schwarzen Freitag gibt. Bei uns gab es heute einen schwarzen Donnerstag. Um 9 Uhr bekamen wir von Herrn Habben vom NLWKN persönlich die Nachricht überbracht, das eine weiterschleusung über Tage hinaus durch ungünstige Wasserstände nicht möglich ist. Das Niedrigwasser lief 75 cm höher auf als Normal. Das passieren der Eisenbahnbrücke die eine Durchfahrtshöhe von 2,6m bei NW hat war dadurch unmöglich,Nach kurzer Beratung beschlossen wir, es geht zurück. Herr Habben organisierte noch vor Ort für uns die Brücken und Schleusenöffnungen und es ging zurück zum Ems Jade Kanal. Unterwegs jagte eine Schauerboe die andere, das war besonders schön beim schleusen. Um 17 Uhr machten wir dann beim WSC Markartsmoor fest.

Freitag 29.05.

Das Wetter hatte sich etwas gebessert, zumindestens gab es keinen Regen. Um 9:30 Uhr warfen wir die Leinen los und es ging in Richtung Aurich. Dort ein kurzer Stop zum Einkaufen fürs Wochenende und weiter gings nach Emden. Kurz darauf goss es wieder wie aus Kübeln.

Zu allem Überfluss fielen auf der Isis vor Emden auch noch die Scheibenwischer aus. Um 16:40 Uhr machten wir dann wieder in Borsum fest. Wir wurden schon als Stammgäste begrüßt. Auf ein Anlegebier hatte an diesem Abend niemand mehr Lust.

Samstag 30.05.

Wir wollten es uns heute noch mal gut gehen lassen und mittags grillen. Aber irgendwie schien sich alles gegen uns verschworen

zu haben, Den ganzen Vormittag gab es Gewitter mit Starkregen und Hagel.

Das Grillen ging dann gegen 13 Uhr doch noch, und es war ein sehr schöner Nachmittag.

Sonntag 31.05.

Ablegen war um 8:45 Uhr. Es ging über den Ems Seitenkanal zur Schleuse Oldersum. Wir bekamen um 10 Uhr eine Schleusung zur Ems.

Der Wetterbericht stimmte mal wieder nicht. Statt der versprochenen

Sonne gab es wieder Regen und Wind. Natürlich wieder von vorne gegen das auflaufende Wasser . Nach ungefähr 1,5 Stunden hatten wir dann Leer und die Leda erreicht. Es ging mit der Tide weiter bis in die Sagter Ems wo wir beim WSV Elisabethfehn festmachten. Am späten nachmittag bekamen

wir Zuwachs an Bord. Bei ablaufendem Wasser fischte ich einen vorbeitreibenden Bootshaken aus dem Wasser. Da wir in Elisabethfehn lagen bekam er den Namen Elli.

Montag 01.06.

Um 11.30 Uhr war Ablegen bei auflaufendem Wasser um den Schleusentermin 12 Uhr nicht zu verpassen. Es war etwas spannend da wir nicht sicher waren das der Wasserstand 1 Stunde nach NW schon ausreichte. Es passte alles, so das wir um 14:30 Uhr in Kamperfehn festmachten ohne einen Tropfen Regen abbekommen zuhaben.

Dienstag 02.06.

Nach Studium des Tidenkalenders stellten wir fest das an der Schleuse Oldenburg NW um 11.30 Uhr war. Wir konnten uns also Zeit lassen. Ein Blick in den Himmel verhieß auch für den letzten Tag nichts gutes. Es ging jetzt über den Küstenkanal zurück nach Oldenburg. Nach einem kurzen Stop vor der Schleuse machten alle 3 Boote um 13.15 Uhr nach 350 Erlebnisreichen Kilometern durch Ostfriesland wieder am Buschhagen fest.

Literatur bzw. Katenmaterial:

M.Fenzl, Vom Rhein zur Nord u. Ostsee.

Landesverband Motorbootsport Niedersachsen,

Grenzenlos fahren. Das Wassersportrevier Ems Dollart.

Autor: Johannes Borowski